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[Antwort schreiben] [Zurück zum Forum]Re: Die richtige Belichtungszeit
(Stefan Wohlfahrt, 6.9.2009 8:12)Jan Lockan schrieb:
Hallo zusammen,
in den letzten Tagen fragten mich ein paar Leute einmal was denn die richtige Belichtungszeit sei und auch bei Bahnbilder.de taucht dieses Problem immer wieder auf. Daher möchte ich jetzt einmal ein paar Tipps geben.
Die meist gestellte Frage ist sicherlich auch die schwerste. "Was ist die perfekte Belichtungszeit?"
So leid es mir tut, aber die perfekte Belichtungszeit gibt es nicht. Der Fotograf muss sich immer bewusst sein was er gerne zeigen möchte und welche Emotionen das Bild verkörpern soll. Als grobe Faustregel gilt, je länger die Verschlusszeit, desto verschwommener erscheinen Bewegungen. Das kann wenn es gewollt ist tolle Effekte hervorzaubern. Sollte es nicht gewollt sein, dann kann es ein Bild sogar zerstören.
Da zumeist Bahnfotografen mir die Frage stellten, wollten sie wissen wie man die Bewegungsunschärfe wegbekommt. Dazu muss der Begriff "Bewegungsunschärfe" zunächst einmal erklärt werden.
Die Bewegungsunschärfe ist ein großes Manko bei einem Bild und nicht mit der absichtlich hervorgerufenen Weichzeichnung von bewegten Objekten zu verwechseln. Streng genommen unterscheide man hier nicht genau, denn es gibt nur Bewegungsunschärfe. Dabei ist es egal ob Absicht oder nicht. Damit der Beitrag aber leichter zu verstehen ist, gehe ich davon aus, dass wir keine Bewegungsunschärfe haben wollen.
Man muss sich also zunächst vor Augen führen was die Bewegungsunschärfe überhaupt ist und wodurch sie entsteht. Sie entsteht ganz einfach durch eine falsch gewählte Verschlusszeit und äußert sich zum Beispiel darin, dass bei einer Lok die Front leicht verschwommen ist, aber der sich nicht bewegende Rest gestochen scharf.
Wie kann man die Bewegungsunschärfe verhindern?
Es gilt, je kürzer die Belichtungszeit, desto unwahrscheinlicher sind Bewegungsunschärfen. Doch es gibt noch mehr zu beachten um die richtige Belichtungszeit zu wählen. Neben der Geschwindigkeit des Motivs muss man auch noch dessen Richtung, die am Objektiv eingestellte Brennweite und die Entfernung zwischen Motiv und Kamera berücksichtigen. Eine leicht zu behaltene Faustformel zur Berechnung der Belichtungszeit gibt es leider nicht.
Nach längerem Suchen und mit dem nötigen Glück fand ich in der "DigitalPHOTO; Ausgabe 06/2008" eine kleine Tabelle, die einem als Anhaltspunkt dienen kann. Hier wurde unter anderem ein Zug der mit 160 km/h unterwegs ist genauer analysiert. Der Fotograf steht mit seiner Kamera 50 Meter vom Zug entfernt und verwendet eine Brennweite von 35 und 200 mm. Der Zug selbst fährt einmal auf die Kamera zu (kürze ich gleich mit "zu" ab), dann quer zur Kamera (qu) und dann diagonal zur Kamera (di). Bei einer Brennweite von 35 mm legten man dem Fotograf folgende Belichtungszeiten nahe: zu=1/125 sek; qu=1/500 sek und di=1/250 sek. Erhöht man den Brennweite radikal auf 200 mm so werden folgende Belichtungszeiten empfohlen: zu=1/750; qu=1/3000 sek und di=1/1500 sek. Diese Zahlen kann man auch auf andere sich bewegende Objekte übertragen.
Natürlich erkennt die Kamera selbst nicht was sich bewegt und in welchem Winkel diese Bewegung erfolgt. Man muss also selbst eingreifen und das Beste versuchen aus der Situation zu machen.
Deutlich wird auch, warum so oft die Front der Lok unscharf ist aber der Rest scharf. Bei der normalen Fotoposition wird die Lok schräg von vorne abgelichtet. Dabei bewegt sich die Front fast quer zur Kamera, während die Seite der Lok sich relativ diagonal bewegt.
Das Phänomen was dahinter steckt nennt man übrigens "relative Geschwindigkeit".
Ich denke mal, dass dieser Ansatz etwas weiter helfen kann und ein paar Fragen beantwortet haben dürfte.
JAN
Guten Morgen Jan,
dein Beitrag ist interessant und hilft sicher dem einen oder andern weiter.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass die jenigen, die dir die Frage gestellt haben nur teilweise die von der empfohlenen Einstellungen an der Kamera vornehmem können.
Dass mit einer kleinen Kamera in vielen Fällen, (aber nicht in allen) ansprechen Bilder gemacht werden könne, haben einige BB.de Fotografen eindrückliche bewiesen.
Da ich selbst lange mit einer kleinen Kompaktkamera fotografiert habe, folgende Erfahungstipps:
- Frosch statt Vogelperspektive (mehr Himmel = mehr Licht)
- möglichst spitzer Winkel
- bei rasch fahrenden Zügen gelingen annehmbare Bilder nur bei schönem Wetter.
- Auch ein Bahnhof und stehende Züge/Loks haben ihre Reize
Und dank Digital gratis: üben, üben, üben - die möglichen Einstellungen ausprobieren, und am Computer vergleichen.
Ich habe eine wunderschöne Zeit mit meiner kleinen Kamera verbracht, und freute mich über manches gelungene Bild (einige schafften es sogar in IVZ).
Gruss aus Blonay
Stefan
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